Wie berechnet man die chromatische Dispersion mit der Sellmeier-Gleichung
Berechnen Sie den Brechungsindex n(λ) optischer Gläser, Quarz, Saphir, Si, Ge mit der Sellmeier-Gleichung (1872): n²(λ) = 1 + ΣBᵢλ²/(λ²-Cᵢ). Abbe-Zahl, Gruppenindex, GVD für Lichtleitfasern und Ultrakurzpuls-Laser — Basis von Carl Zeiss, Schott Mainz, Trumpf, MPI Quantenoptik.
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Wie berechnet man die chromatische Dispersion mit der Sellmeier-Gleichung erlaubt die präzise Bestimmung des Brechungsindexes n eines optischen Materials als Funktion der Wellenlänge λ. Die Formel wurde 1872 von Wilhelm Sellmeier (Universität Göttingen) als empirische Verbesserung der Cauchy-Gleichung (1836) hergeleitet. Die Standard-Form mit drei Termen lautet n²(λ) = 1 + B₁λ²/(λ²-C₁) + B₂λ²/(λ²-C₂) + B₃λ²/(λ²-C₃), mit λ in Mikrometern. Für Schott-BK7-Glas: B₁=1,03961212, B₂=0,231792344, B₃=1,01046945. Sie ist die Grundlage des Designs von Foto-Linsen, Lichtleitfasern, EUV-Lithographie-Systemen, fortgeschrittener Mikroskopie und Lasern — verwendet bei Carl Zeiss SMT Oberkochen, Schott Mainz, Trumpf Ditzingen, MPI Quantenoptik Garching, Fraunhofer IOF Jena, sowie industriellen Anbietern wie Jenoptik und Heidelberg Instruments.
1. Die Sellmeier-Gleichung und die Abbe-Zahl
Die Gleichung beschreibt die normale und anomale Dispersion über Summen resonanter Oszillatoren: jedes Cᵢ ist die quadrierte Resonanzwellenlänge (in µm²), Bᵢ die Oszillatorstärke. Die Abbe-Zahl ν_d = (n_d - 1)/(n_F - n_C) — n_d bei 587,6 nm (Fraunhofer-D), n_F bei 486,1 nm, n_C bei 656,3 nm — quantifiziert die Dispersion: Crown-Gläser ν_d > 50 (BK7=64,17), Flint-Gläser ν_d < 50 (SF11=25,76). Die Gruppengeschwindigkeitsdispersion (GVD) ∝ d²n/dλ² ist kritisch für die Pulskompression von Ultrakurzpuls-Lasern (CPA Mourou-Strickland, Nobelpreis 2018).
2. Sellmeier-Koeffizienten typischer Materialien
- Quarzglas SiO₂ (Malitson 1965) — Basis der Lichtleitfasern Deutsche Telekom, 1&1, Vodafone Deutschland.
- BK7 Borosilikat (Schott Mainz) — Carl-Zeiss-SMT-Standardglas.
- SF11 Schwerflint (Schott) — hohe Dispersion, ν_d=25,76.
- Saphir Al₂O₃ — hohe Härte, Laserfenster bei Schott Lithotec.
- Silizium Si (Tatian 1984) — integrierte Photonik bei Fraunhofer IZM Berlin und IHP Frankfurt Oder.
- Germanium Ge — IR-Optik für Wärmebildkameras von Jenoptik und Steinbichler.
- ZnSe — CO₂-Laserfenster bei Trumpf.
- CVD-Diamant — extreme IR-Optik.
3. Gültigkeitsbereich und Korrekturen
Sellmeier gilt für isotrope transparente Materialien in ihrem Spektralbereich (~200 nm-5 µm für Quarzglas). Nahe Absorptionsresonanzen (UV oder IR) divergiert Sellmeier und das vollständige Lorentz-Modell ist nötig. Für doppelbrechende Kristalle (Calcit, BBO, KTP) sind separate Sellmeier-Gleichungen für ordentliche n_o und außerordentliche n_e Strahlen erforderlich. Für dotierte Gläser oder Laserkristalle (Nd:YAG, Yb:KGW, Ti:Saphir) sind Korrekturen nötig. Gruppendispersion und GVD erfordern dn/dλ und d²n/dλ², kritisch für Ultrakurzpuls-Laser am MPI für Quantenoptik Garching und Max-Born-Institut Berlin. Codes Zemax OpticStudio, Code V, FRED, Lumerical FDTD implementieren alle Korrekturen.
4. Numerische Beispiele
Beispiel 1 — Quarzglas bei 1550 nm (Telekommunikation). n_silica(1550 nm) ≈ 1,4440 — übereinstimmend mit Corning-SMF-28-Tabellen.
Beispiel 2 — BK7 bei 587,56 nm (Na-D-Linie). n_d ≈ 1,5168, ν_d ≈ 63,8 (nahe tabuliertem 64,17).
Beispiel 3 — Silizium bei 1310 nm (Telekommunikation O-Band). n_Si(1310) ≈ 3,5037 — Basis der Si-Photonik bei Fraunhofer IZM Berlin und IHP Frankfurt Oder.
5. Praktische Anwendungen
- Optisches Linsendesign: Carl Zeiss SMT Oberkochen, Schott Mainz, Hoya, Leica Mikrosysteme Wetzlar
- Telekommunikations-Lichtleitfasern: Backbone-Netze Deutsche Telekom, 1&1, Vodafone Deutschland bei 1310/1550 nm
- Integrierte Photonik: Fraunhofer IZM Berlin, IHP Frankfurt Oder, Forschungszentrum Jülich PGI-9
- EUV-Lithographie: ASML-Scanner mit Carl-Zeiss-SMT-Optik
- Ultrakurzpuls-Laser: MPI für Quantenoptik Garching, Max-Born-Institut Berlin, MPI Heidelberg, Trumpf Ditzingen verwenden Sellmeier für Dispersionsmanagement in fs- und Attosekundenlasern
- Konfokale Mikroskopie: Immersionslinsen Carl Zeiss LSM, Leica DMi8, Olympus FV4000
6. Sonderfälle und fortgeschrittene Materialien
Für doppelbrechende Kristalle (Calcit, Quarz, BBO, KTP, LiNbO₃) werden separate Sellmeier-Gleichungen verwendet — fundamental für Polarisatoren und Frequenzverdopplung (SHG) am Max-Born-Institut Berlin und MPI Quantenoptik. Für nichtlineare Kristalle mit Phase-Matching wird der Ausbreitungswinkel aus Sellmeier berechnet. Für Photonic-Crystal-Fasern (PCF) und Hollow-Core-Fasern werden dispersive Eigenschaften aus Sellmeier-Material und geometrischer Struktur kombiniert, entwickelt am IPHT Jena, Fraunhofer HHI Berlin und MPI für die Physik des Lichts Erlangen. Für dotierte Materialien (Yb:KGW, Nd:YAG, Ti:Saphir) erfordert Sellmeier Korrekturen für Laser-Aktive-Ionen.
Aktualisiert im Juli 2026
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